Labor am Institut für Molekulare Biologie

Im Krebs. Was die Präzisionsmedizin kann

In Zürich wird heute an der Medizin der Zukunft gearbeitet. In dieser Reportage machen wir eine Reise durch die Präzisionsmedizin an der UZH und den Universitätsspitälern. Sie zeigt, wie innovative Grundlagenforscher und Klinikerinnen denken und arbeiten.

Von Thomas Gull und Roger Nickl

Die medizinische Forschung macht gewaltige Fortschritte. Dazu tragen schon lange nicht mehr nur Ärzte bei, sondern vor allem auch Grundlagenforschende wie Biologinnen und Genetiker. Das Wissen aus ihren Labors macht es möglich, Krankheiten wie Krebs quasi von innen zu verstehen. Ihre differenzierten Analysen, die heute immer mehr auf der computergestützten Auswertung grosser Datenmengen beruhen, zeigen, dass verschiedene Tumoren, die auf den ersten Blick gleich aussehen, ganz unterschiedliche biologische Ursachen haben können. Mit diesem Wissen kann die passende Therapie bestimmt werden und es ist die Basis, um neue, gezielte Behandlungen zu entwickeln.

Schwere Krankheiten heilen?

Zusammengefasst wurde diese Forschung oft unter dem Label «Personalisierte Medizin», heute spricht man immer mehr von Präzisionsmedizin. Weil: Personalisiert, möglichst auf die Bedürfnisse der Patien-tin, des Patienten abgestimmt, war die Medizin schon immer. Nun wird sie dank neuer technischer Möglichkeiten und computergestützter Methoden noch präziser bei der Diagnose von Krankheiten und ihrer Behandlung.

Dank Fortschritten auf all diesen Gebieten konnten mittlerweile bei der Behandlung vieler Erkrankungen, die bis vor ein paar Jahren noch als unheilbar galten, Erfolge erzielt werden, insbesondere bei Krebs. Oft profitiert davon jedoch nur ein Teil der Patientin-nen und Patienten – denn noch lange nicht für jeden Krebs gibt es eine wirkungsvolle Behandlung. Viel-versprechend sind neuartige Immuntherapien, die herkömmliche Chemotherapien ergänzen und vielleicht dereinst ersetzen könnten. Sie basieren auf der Idee, das körpereigene Immunsystem so zu konditionieren, dass es Krebszellen erkennt und abtötet. Bisher sind nur einzelne solcher Therapien zugelassen, wobei die Nebenwirkungen heftig sein können und die Kosten noch sehr hoch sind. Zu den Herausforderungen der nächsten Jahre gehört, diese Therapien so gut und sicher zu machen, dass sie breit eingesetzt werden können.

Wir haben auf unserer Reise durch die UZH-Präzisionsmedizin fünf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler besucht und ihnen über die Schulter geschaut. Sie stehen stellvertretend für viele hervorragende Forschende, die an der UZH und den Universitätsspitälern Menschen mit schweren Erkrankungen behandeln und am medizinischen Fortschritt arbeiten:

So kann der Immunologe Burkard Becher differenzierte Blutprofile bestimmen, die Auskunft darüber geben, ob eine bestimmte Krebstherapie erfolgversprechend ist oder nicht.

Der Quantitative Biologe Bernd Bodenmiller generiert Bilder des Gewebes, die zeigen, wie (Krebs-)Zellen zusammenspielen und miteinander kommunizieren. Mit diesem Wissen lassen sich neue Behandlungsmethoden entwickeln.

Die Ärztin Nicole Bodmer behandelt am UniversitätsKinderspital Zürich Kinder mit Leukämie. Viele von ihnen können heute geheilt werden.

Blutkrebspatienten behandelt auch der Hämatologe Markus Manz am Universitätsspital Zürich. Er setzt grosse Hoffnungen auf die neuen Immuntherapien und will diese mit einer grossen Studie erforschen und verbessern.

Und die Medizinische Genetikerin Anita Rauch macht differenzierte Genanalysen. «Präzise Diagnosen sind ein Etappensieg auf dem Weg zu massgeschneiderten Therapien», sagt sie.