Patti Basler

«Kopf frei»

Als Kaberettistin ist Patti Basler zu sich selbst gekommen. Auf der Suche nach Pointen hilft ihr auch das wissenschaft-liche Denken, das sie an der UZH geschult hat.

Von Roger Nickl

Patti Basler, wie wird man Kabarettistin?

Patti Basler: Das nimmt man sich nicht eines Tages vor. Eine gewisse Denke muss schon da sein, ich war immer schon sehr schlagfertig. Das finden viele Leute lustig. Heute mache ich den Beruf, der zu meinem Denken passt – frei nach dem Motto «Werde die, die du bist».

Was finden die Leute denn lustig?

Sicher das Überraschende. Den Humor an sich gibt es aber nicht. Ich trete an ganz verschiedenen Orten auf: in der Schweiz, in Deutschland, in Österreich, in Städten, auf dem Land – das Publikum reagiert immer ganz unterschiedlich. Auf dem Land muss ich etwa langsamer reden und es dauert länger, bis die Pointen ankommen. Das Timing ist im Kabarett zentral. Das muss man je nachdem anpassen. Man kann übrigens nicht mehr so sehr auf ein geteiltes Allgemeinwissen zählen wie früher, als noch alle die gleichen Fernsehkanäle schauten. Heute gibt es unzählige Informationsmöglichkeiten. Damit schrumpft auch das geteilte Wissen. So bleibt einem fast nur noch das politische Kabarett oder man beschäftigt sich mit Alltagssituationen. Das interessiert mich allerdings weniger.

Sie waren Oberstufenlehrerin und haben anschliessend Erziehungswissenschaften studiert. Was haben Sie an der UZH für die Kabarettistinnen-Karriere gelernt?

Ich gehe die Dinge auch als Kabarettistin wissenschaftlich an, indem ich eine objektive Position einnehme. Ich betrachte ein Thema quasi aus der Vogelperspektive. Das hilft dem Humor, weil es den Kopf frei macht. Als Satirikerin habe ich zwar schon eine Haltung, aber ich versuche deswegen nicht, Partei zu ergreifen. Die Wissenschaft hat mir geholfen, dieses unabhängige Denken zu schulen.

Ist Wissenschaft selbst humorvoll?

Auf alle Fälle, Forschung beschäftigt sich ja oft mit Details. Für Aussenstehende klingen nur schon die Titel von Doktor-arbeiten zuweilen absurd und komisch. Das ist auch Stoff für die Comedy. Stellen wir uns einen Ethnologen vor, der die Auswirkung von cis-Moll auf die Tänze von Aborigines-Stämmen in den australischen Outbacks untersucht. Wissenschaftlich kann das natürlich total relevant sein.

Ihr aktuelles Programm heisst «Frontalunterricht», das Folgeprogramm «Nachsitzen» – Schule und Erziehungswissenschaft werden Sie anscheinend nicht los.

So pädagogisch sind die Programme gar nicht. Es gilt ja die Regel: Man sollte über das schreiben, was man kennt. Das trifft auch für Kabarettistinnen zu. Das Thema ist ein unglaublicher Fundus. Da gibt es auch viel geteiltes Wissen – zur Schule gegangen sind wir schliesslich alle. «Nachsitzen» ist übrigens nochmals das gleiche Programm wie «Frontalunterricht» – für alle, die nicht mitgekommen sind.

Was ist Ihr bester Kurzwitz?

Ich mache keine Witze, sondern Pointen oder Gedichte. Etwa das Requiem an eine berühmte Legehenne: Eine  eierlegende Eierlegende kommt zu ihrem Eierleg-Ende.

Patti Basler

Die Kabarettistin Patti Basler hat an der UZH Erziehungswissenschaften studiert, tritt regelmässig im Schweizer Fernsehen auf und ist momentan mit ihren beiden Programmen «Frontalunterricht» und «Nachsitzen» auf Tournee. Basler wird dieses Jahr für ihre Arbeit mit dem renommierten «Salzburger Stier» ausgezeichnet.