Trainieren Sie Ihren Humor!

Sie denken, Sie hätten keinen Humor? Das mag sein, doch liegt das wohl daran, dass Sie ihn nicht entwickelt haben oder er Ihnen abhandengekommen ist. Auf jeden Fall ist Humorlosigkeit kein unabwendbares Schicksal. Davon ist Paul McGhee überzeugt: «Wir alle verfügen über die Fähigkeit, Humor zu produzieren und ihn zu geniessen.» Ausgehend von dieser Überlegung hat er bereits in den 1990er-Jahren ein Training entwickelt mit den Ziel, unseren Humor zu stärken. Es besteht aus sieben Schritten oder Dimensionen, die uns helfen, humorvoller zu werden. 

1. Umgib dich mit Humor – das kann man tun, indem man Humor konsumiert, etwa Comedy-Shows besucht oder Karikaturen in den Zeitungen anschaut. Noch besser: «Geh mit deinen lustigsten Freunden aus, dann kommt dein Sinn für Humor auf natürliche Weise zum Vorschein», rät McGhee.

2. Pflege deine Verspieltheit – Kinder sind verspielt, für McGhee ist Humor eine Spielart unserer natürlichen Verspieltheit, die wir wiederentdecken können.

3. Lach öfter! – Wenn wir lachen, fühlen wir uns besser, auch wenn wir nicht wissen, warum. Lachen ist zudem ansteckend!

4. Kreiere deine eigenen Humor – das kann ganz einfach sein, indem man Witze lernt, die man weitererzählen kann. Wem das nicht liegt, der kann etwas Lustiges erzählen, das ihm oder ihr widerfahren ist. McGhee selbst macht gerne Wortspiele wie dieses: When get doctors most annoyed? When they’re out of patience/patients – Wann sind Ärzte besonders gereizt? Wenn sie die Geduld (patience) verlieren, beziehungsweise keine Patienten (patients) mehr haben.

5. Schau dich in deinem Alltag nach lustigen Dingen um – und wenn du sie gefunden hast, schreib sie auf, teile sie mit Freunden. McGhee ist überzeugt: Der Alltag ist eine kraftvolle Humormaschine, wir müssen nur unseren Blick dafür schärfen.

6. Lach über dich selber – das ist, abgesehen von Nummer 7, die schwierigste Aufgabe, weil es uns peinlich ist. Da hilft es, das Problem bei den Hörnern zu packen, indem man eine Liste mit Dingen zusammenstellt, die einem peinlich sind, und sich dann darüber lustig macht – zuerst vielleicht nur im stillen Kämmerlein.

7. Verlier den Humor nicht, auch wenn du gestresst bist – die schwierigste Aufgabe, aber nicht unlösbar. «Wenn es uns gelingt, humorvoll zu sein, auch wenn wir einen wirklich schlechten Tag haben, verbessert das unser Leben enorm. Und das Leben aller um uns herum», sagt Paul McGhee.

McGhees Humortraining dauert acht Wochen. Wer seinen Humor verbessern will, braucht Ausdauer. Doch der Aufwand lohnt sich. Willibald Ruch hat die Wirkung des Trainings untersucht: Der Sinn für Humor verbessert sich, die gute Laune auch, und das nicht nur im subjektiven Urteil, auch auf die Menschen rundherum wirkt glücklicher, wer durch das Humortraining gegangen ist.

Text: Thomas Gull