«Magst du mein Flugzeug?», fragt Paul McGhee lachend und zeigt seinen Schuh

These Nr. 2: Humor ist angeboren

Wir kommen mit der Begabung zum Humor auf die Welt. Für Paul McGhee, der bereits in den 1970er-Jahren mit der Humorforschung bei Kindern begann, ist klar: «Kinder haben von Anfang an Humor. Oder wie ich es lieber formuliere:  Wir alle haben eine Prädisposition, zu spielen. Das Spiel ist die Basis für unseren angeborenen Sinn für Humor.» Bei Kindern zeigt sich der Humor, indem sie Dinge tun, von denen sie wissen, dass sie verkehrt sind, etwa indem sie Gegenstände falsch benennen. «Magst du mein Flugzeug?», fragt Paul McGhee lachend und zeigt seinen Schuh. Bereits Kinder im Alter von sechs bis neun Monaten finden die verkehrte Welt lustig, etwa wenn Eltern das Gesicht verziehen, sich eine Socke über den Kopf stülpen (die gehört doch an die Füsse!) oder sich unabsichtlich den Kopf stossen und «Autsch!» rufen. «Das ist keine Schadenfreude», betont UZH-Psychologin Jennifer Hofmann, «das Kind amüsieren der Akt des Kopfanstossens, die Grimasse und das Geräusch.» Später finden es Kinder lustig, zu pupsen oder andere Dinge zu tun, die die Eltern herausfordern.

Ob es sich bei den Gemütsregungen, die sich dabei im Gesicht spiegeln, um ein Lachen über eine lustige Situation handelt oder um ein Lächeln, das Freude ausdrückt, kann Hofmann feststellen, indem sie den Gesichtsausdruck filmt. Verschiedene Lachen und Lächeln lassen sich unterscheiden.

Der kindliche Humor ist an kognitive Fähigkeiten gekoppelt: Das Repertoire wächst mit der Entwicklung des Gehirns. Die Eltern spielen dabei eine entscheidende Rolle, denn das Kind schaut sehr genau, wie sie reagieren und welche Formen von Humor sie selber entwickeln. Eltern können deshalb den Humor der Kinder fördern oder ihn unterdrücken. Dies gilt später auch für andere Bezugspersonen wie Freunde oder Lehrer. Das heisst: Wer in einem humorfreien Umfeld aufwächst oder gar in einem, in dem Humor verpönt ist, wird selbst kaum ein positives Verhältnis zu Humor entwickeln.