«Wer Neuem und Komplexem grundsätzlich positiv gegenübersteht, mag auch komplexere Formen des Humors.»

These Nr. 5: Humor hält uns den Spiegel vor

Was macht die Blondine, wenn der Computer brennt? So beginnt ein typischer Blondinenwitz. Enden tut er so: Sie drückt die Löschtaste!

Finden Sie die Pointe lustig? Dann sind Sie nicht nur einfach gestrickt, sondern auch eher konservativ. Denn wie die Humorforschung zeigt, mögen Menschen mit einer konservativen Grundeinstellung, das sind solche, die gerne Strukturen und Normen haben, Witze mit einer Auflösung, über die man nicht allzu lange nachdenken muss. «Liberale» – so die Bezeichnung der Humorforscher – hingegen schätzen Nonsense-Humor. Dieser zeichnet sich dadurch aus, dass er «sinnfrei» sein kann und sich seine Bedeutung oft erst aus dem Kontext erschliesst. «Humor kann Einstellungen vorhersagen, und die Intelligenz», erklärt Sonja Heintz, die als Oberassistentin am Psychologischen Institut der UZH Humorforschung betreibt: «Personen, die Nonsense-Witze mögen, sind auch intelligenter.» Der eigentliche Lackmustest für Intelligenz ist der Wortwitz, der mit verbaler Intelligenz einhergeht. Wenn Ihnen das zu abstrakt klingt: Finden sie Otto (Waalkes) oder Helge Schneider lustig? Wenn Sie sich für Schneider entscheiden, Gratulation! Sie gehören zu den intelligenteren Zeitgenossinnen und Zeitgenossen.

Wenn nicht, auch nicht schlimm, denn Willibald Ruch, der als Professor für Persönlichkeitspsychologie und Diagnostik die Humorforschung der UZH etabliert hat, relativiert: «Es sind weniger die intellektuellen Fähigkeiten an sich, sondern es ist eine Stilfrage – wie bei Kunst oder Literatur: Die einen mögen das Einfachere, die anderen ziehen Komplexeres vor. Wer Neuem und Komplexem grundsätzlich positiv gegenübersteht, mag auch komplexere Formen des Humors.»

Die breite Palette des Humors hält für jeden etwas Passendes bereit. Sonja Heintz hat 21 Arten des Humors identifiziert, die wir in verschiedenen Situationen produzieren, die sich grob in drei Kategorien ordnen lassen: einfacher Spass und Herumalbern, zum Beispiel Slapstick; Spott, dazu gehören Sarkasmus und Zynismus; anspruchsvoller und nachdenklicher Humor wie Wortwitz, Nonsense oder Tragikomik. Im Moment untersuchen UZH-Psychologen im Rahmen einer Online-Studie, wie Humor, Persönlichkeit und Kreativität zusammen spielen. Wer mehr über seinen Humor erfahren will, kann hier teilnehmen: ww3.unipark.de