Fabian Unteregger

«Besser als Anästhesie»

Lachen regt den Kreislauf an und entspannt die Muskulatur, sagt Fabian Unteregger. Er muss es wissen: Der Komiker hat an der UZH Medizin studiert. 

Von Adrian Ritter

Fabian Unteregger, Sie sind seit Jahren als Komiker auf der Bühne, im Fernsehen und im Radio präsent. Kürzlich haben Sie Ihr Medizinstudium abgeschlossen. Komiker und Arzt – zwei unterschiedliche Welten?

Fabian Unteregger: Nicht unbedingt, als Arzt erlebt man oft absurde Situationen, die einen staunen oder schmunzeln lassen. Einmal kam ein Patient in meine Sprechstunde, der sich nicht hinsetzen wollte. Kurze Zeit später war mir klar, warum. Er hatte einen schmerzhaften Abszess an der Pobacke, bei dem wir Eiter entfernen mussten. Zu allem Überdruss war auf seiner Unterhose eine Zielscheibe aufgedruckt. Das war schon sehr absurd. Ein weiterer Berührungspunkt ist, dass Comedy für die Zuschauer gesund ist.

Ist das erwiesen?

Es gibt Studien, die zeigen, dass eine Comedy-Show einen stärkeren Effekt hat als gewisse Medikamente – lachen regt erst den Kreislauf an und führt danach zu entspannter Muskulatur. Es gibt ein interessantes Experiment: Versuchspersonen hielten eine Hand ins Eiswasser. Diejenigen, die gleichzeitig am Fernseher eine Comedy schauten, hatten ein geringeres Schmerzempfinden. Ein guter Komiker während der Operation ist besser als Anästhesie. (lacht)

Krankenkassen sollten den Besuch von Comedy als Pflichtleistung vergüten?

Absolut, vielleicht sollte ich mal beim Krankenkassenverband vorstellig werden. Verglichen mit dem Ausland könnten Schweizerinnen und Schweizer übrigens ruhig mehr lachen. Auch die Medizin sollte sich den Humor öfter zunutze machen. So haben sich Patienten beruhigt, als ich mit farbigen Socken in die Sprechstunde kam.

Sie waren bereits ein erfolgreicher Komiker, als Sie mit dem Medizinstudium an der UZH begannen. Was hat Sie dazu motiviert?

Ich interessiere mich schon lange für Medizin. Ich wollte wissen, wie der Mensch funktioniert. Und der Beruf des Arztes ist sehr erfüllend. Allerdings arbeite ich derzeit nicht in der Klinik – aus Zeitmangel. Ich forsche aber parallel zur Comedy weiterhin an einem Projekt zur Physiologie des menschlichen Kehlkopfs, publiziere die Ergebnisse und halte Vorträge im In- und Ausland. Die Comedy möchte ich jedoch nicht missen. Ich empfinden es als Privileg, die Menschen zum Lachen bringen zu dürfen.

War das Medizinstudium für Sie als Komiker nützlich?

Ja, ich habe viel über den Menschen gelernt. Gerade die Neurologie ist für mich als Komiker spannend: Wo sitzt der Humor im Gehirn? Warum verstehen gewisse Menschen keinen Humor? Es gibt noch viele offene Fragen. Zum Beispiel würde ich gerne wissen, warum man sich nicht totlachen kann. Wäre das möglich, gäbe es bei Exit immer zwei Zimmer: Im einen steht ein Becher mit Natriumpentobarbital, im anderen wartet ein tödlich lustiger Komiker. Juristisch wäre das allerdings komplex, weil sich der Komiker der Vorsätzlichkeit strafbar machen würde.

Erzählen Sie uns noch einen Witz, der Ihnen gut gefällt?

Patient: Herr Doktor, ich habe jeden Morgen um 7 Uhr Stuhlgang. Doktor: Ja, das ist doch super. Patient: Aber ich stehe erst um halb acht auf.

Fabian Unteregger

Fabian Unteregger ist studierter Lebensmittelingenieur, Arzt und Mitbegründer von Swiss Healthcare Startups – einer Organisation, die Innovationen im Gesundheitswesen fördert. Derzeit tourt er als Komiker mit seinem Programm «Doktorspiele» durch die Schweiz.