Magazin 1/15

Im roten Bereich

Krisen, Konflikte und ihre Lösungen

Krisen und Konflikte treffen uns hart und meist unerwartet. In solchen Momenten scheint das Leben ausweglos und ohne Perspektive. Das Dossier im neuen «magazin» der Universität Zürich beleuchtet gemeinsam mit Wissenschaftlern der UZH Krisen-situationen. Und es wird darüber diskutiert, wie wir Krisen meistern können. Dabei wird Erstaunliches zutage gefördert. Etwa, dass es ganz praktische Rezepte gibt, wie wir uns verhalten können, wenn uns rabenschwarze Gedanken zusetzen: Mittel, die gegen stark belastende negative Gefühle helfen sind etwa Treppensteigen, oder Liegestütze machen bis zur Erschöpfung. «Man muss versuchen, eine Spannung oder eine Entspannung einzuleiten, die eine klare Ursache hat und für die man selbst verantwortlich ist», sagt Psychologe Ulrich Frischkneckt, «das macht die Situation überschau- und kontrollierbar.» Frischknecht leitet die Psychologische Beratungsstelle von Universität und ETH Zürich und hilft Menschen in Not, Wege aus der Krise zu finden.

Zwischen 40 und 60 geraten vor allem Männer in eine Sinnkrise und krempeln ihr Leben um. Das zumindest suggeriert die weit verbreitete Vorstellung der Midlife-Crisis. Doch diese Krise im mittleren Lebensalter gibt es gar nicht – zumindest nicht als Massenphänomen, sagen der Altersforscher Mike Martin und die Psychologin Alexandra Freund übereinstimmend. Ein anderer Mythos, der selbst von Wissenschaftlern gepflegt wird, ist die Gefahr von künftigen Klimakriegen. Doch die Klimaveränderung allein löst keine kriegerischen Konflikte aus, sagt Geograf und Konfliktforscher Benedikt Korf. Er hält das Szenario für politisch problematisch, weil es den Blick auf die eigentlichen Ursachen von Konflikten verstellt.

Krisen machen nicht nur Erwachsenen zu schaffen, sondern auch Kindern und Jugendlichen. So können Unfälle wie Brand-verletzungen nicht nur körperliche, sondern auch seelische Wunden schlagen. Der Psychologe Markus Landolt betreut am Zürcher Kinderspital traumatisierte Kinder und ihre Eltern. Dabei geht es darum, den Kindern zu zeigen, dass sie wieder gesund werden, und den Eltern die Angst vor der Zukunft zu nehmen. Herausgefordert sind auch jugendliche Migranten, die sich in ihrem neuen Heimatland zurechtfinden müssen. Dabei müssen sie den Spagat zwischen ihrer Herkunft und der neuen Lebenswelt machen. Den meisten gelingt das erstaunlich gut, sagt die Humangeografin Sara Landolt. Dabei hilft den Jugendlichen ein gutes, weit gespanntes soziales Netzwerk aus Familie, Freunden, Lehrpersonen und Vereinen, wo sie sich wohlfühlen.

Das Konzept der Krise, wie wir es heute kennen, ist erst im 18. Jahrhundert entstanden, sagt der Rechtshistoriker Andreas Thier. Das hat auch mit der Säkularisierung der Gesellschaft zu tun: «Mit dem Ende der Heilsgeschichte wird der Mensch zum Subjekt der Geschichte», so Thier. Das heisst, wir können nicht mehr auf Gott hoffen; dafür können wir unsere Geschichte selbst gestalten. Damit fällt uns die Aufgabe zu, Krisen und Konflikte zu bewältigen.

Inhalt

Dossier Im Roten Bereich - Krisen, Konflikte und ihre Lösungen

  • Nach dem Trauma. Wie schwer verunfallten Kindern und ihren Eltern geholfen werden kann. Von Katja Rauch

Verbrannte Haut, verwundete Seele (PDF, 3637 KB)

  • Midlife-Crisis adieu. Die gefürchtete Krise in der Lebensmitte ist ein populärer Mythos. Von Thomas Gull

Krise, welche Krise? (PDF, 3289 KB)

  • Zu Hause in der Fremde. Wie jugendliche Migranten ihre Adoleszenz meistern. Von Paula Lanfranconi

In der neuen Heimat (PDF, 3342 KB)

  • Traurige Perfektionisten. Die Psychologische Beratungsstelle hilft bei Krisen. Von Roger Nickl und Thomas Gull

"Krisen sind oft irrational" (PDF, 3677 KB)

  • Wirtschaft im Würgegriff. Marc Chesney weiss, wie die Finanzkrise zu bewältigen ist. Von Thomas Müller

Jagd nach schnellen Profiten (PDF, 3711 KB)

  • Überhitzte Debatte. Geograf Benedikt Korf glaubt nicht an künftige Klimakriege. Von Theo von Däniken

Aufgeheiztes Klima (PDF, 1975 KB)

  • Permanente Bedrohung. Krisen sind ständige Begleiter der modernen Gesellschaft. Von Roger Nickl

"In ständiger Gefahr" (PDF, 3751 KB)

Forschung

  • Besser leben trotz Krebs - Neues Medikament verbessert Wohlbefinden von Krebspatienten. Von Thomas Gull

Wundermittel gegen Krebs (PDF, 1749 KB)

  • Verführter Meisterdenker - Was die Philosophen über das lustvolle Leben wissen. Von Claudio Zemp

Die Lust der Philosophen (PDF, 2194 KB)

  • Rückkehr des Zauberpilzes - Wie Magic Mushrooms gegen Depressionen wirken. Von Michael T. Ganz

Das Ich und der Zauberpilz (PDF, 2312 KB)

  • Pferdeherzen - Am Tierspital werden herzkranke Pferde behandelt. Von Susanne Haller-Brem

Herzen ausser Takt (PDF, 2199 KB)

  • Vielfältiges Grünzeug - Mischkulturen machen Wiesen und Äcker produktiver. Von Roger Nickl

Wuchernde Wiesen (PDF, 2250 KB)

Interview

  • Mit 65 fängt das Leben an - Wir sollten länger und flexibler arbeiten, sagt Mike Martin. Von Thomas Gull

"Mit 65 noch mal neu anfangen" (PDF, 2013 KB)