Magazin 2/15

Licht

Die Quelle der Erkenntnis

Licht steht am Anfang der Erkenntnis. Das wusste bereits das Alte Testament. Heute erforschen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an der Universität Zürich mit Hilfe von Licht das Gehirn, sie bekämpfen Krebserkrankungen und sie führen virtuelle Obduktionen, wie das Dossier im neuen «magazin» zeigt.

Ohne Licht sähe die Welt düster aus. Leben wie wir es kennen, wäre gar nicht möglich. Anstelle eines grünblauen Planeten wäre die Erde ein kleines Rund, das einer Mondlandschaft gliche. Nicht um sonst hatte das Licht schon in der Schöpfungsgeschichte des Alten Testaments eine wichtige Bedeutung, als Gott es von der Finsternis trennte. In der Aufklärung wurde Licht zur Metapher für Erkenntnis. Die aktuelle Ausgabe des «Magazins» beleuchtet in seinem Dossier-Teil verschiedene Facetten des Lichts. Begleitet werden die Artikel von einer Bildstrecke zum Thema, die die Kunsthistorikerin Bettina Gockel zusammengestellt und kommentiert hat.

An der UZH wird nicht nur über Licht nachgedacht, sondern auch mit seiner Hilfe geforscht. Der Biochemiker Raimund Dutzler verwendet beispielsweise Röntgenlicht, um die Struktur und den Aufbau von sogenannten Ionenkanälen aufzuklären.

Ionenkanäle sind wie elektrische Schalter in unseren Zellwänden. Sie spielen unter anderem dann eine Rolle, wenn es um Nervenreizung und Muskelbewegungen geht.

In der Neurowissenschaft bringen Laser-Mikroskope Licht ins Dunkel. Fritjof Helmchen beobachtet mit deren Hilfe wie Nervenzellen im Hirn Informationen austauschen. Er will dabei herausfinden, wie das Gehirn Bewegungen steuert, Erinnerungen speichert und wie Krankheiten entstehen. Michael Thali und sein Team vom Institut für Rechtsmedizin erforschen mit modernsten bildgebenden Verfahren ungeklärte Todesfälle, ohne dass es dabei nötig ist, den Leichnam mittels Skalpell zu öffnen. Ihr virtuelles Autopsieverfahren «Virtopsy» sorgt für internationales Aufsehen und stellt selbst die ausgefeilten Methoden der CSI-Agenten aus der gleichnamigen Hollywood-Serie in den Schatten. 

Lichttherapien heute und gestern

Naturheilkundler und Mediziner propagierten ab den 1910er-Jahren Sonnenlicht als Allerheilmittel, ohne sich über die Schädlichkeit des UV-Lichts im Klaren zu sein. Und es kamen «künstliche Höhensonnen» auf den Markt. Der Historiker Niklaus Ingold hat in seinem Buch «Lichtduschen. Geschichte einer Gesundheitstechnik, 1890-1975» diese Entwicklung beleuchtet.

Dass Licht auch in der heutigen Medizin eingesetzt wird, veranschaulicht die Forschung des Chemikers Gilles Gasser. Er ist daran, einen potenteren Wirkstoff zu entwickeln, der bei der fotodynamischen Therapie zum Einsatz kommt. Bei dieser Therapie hilft das Licht, Tumoren gezielt zu bekämpfen.

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