Claudia Winkler

Die Macherin

Claudia Winklers Start-up Lionstep sucht auf neuen Wegen hochqualifiziertes Personal für die IT-Branche. Gegründet hat sie die Firma mit Studienkollegen von der UZH.

Von Thomas Gull und Roger Nickl

Claudia Winkler trägt das Unternehmergen in sich. Die Familie der Ökonomin ist schon seit mehreren Generationen unternehmerisch tätig. «Es ist für mich etwas ganz Selbstverständliches, ein eigenes Geschäft zu haben», sagt die heute 30-Jährige. Ging es im Gymnasium darum, für Projekte Geld zu sammeln oder Events zu organisieren, übernahm sie das gerne. «Ich hatte immer viele Projekte am Laufen.»

Ihren ersten Versuch, selber Unternehmerin zu werden, startete sie bereits während des Studiums – zusammen mit einer Studienkollegin wollte sie ein Geschäft mit Herren-Massanzügen aus Asien aufziehen. Doch aus dem Geschäft mit den edlen Kleidern wurde nichts. Die Endfertigung der Anzüge in der Schweiz war zu teuer und der Aufbau eines Vertriebsnetzes erwies sich als schwierig. «Die grösste Herausforderung für eine neue Firma ist, in den Markt zu kommen und das Produkt zu verkaufen», sagt Winkler, «daran scheitern junge Unternehmen reihenweise.»

Heute ist Claudia Winkler CEO der Personalvermittlungsfirma Lionstep. In den Büroräumen im Zürcher Seefeld säumen schön gerahmte Bilder den langen Gang. Noch steht die Kunst am Boden – zum Aufhängen bereit. Vieles wirkt hier noch etwas improvisiert, aber man richtet sich zum Bleiben ein. Die Gemälde suggerieren Status und Stabilität. Man hat bereits einiges erreicht und hat noch vieles vor.

Lionstep ist ein Start-up-Unternehmen, das sich mit Hilfe neuester digitaler Technologien auf die Suche und Vermittlung von hochqualifiziertem Personal spezialisiert hat. Gegründet wurde die Firma 2016 von Claudia Winkler und José Parra Moyano, die beiden haben sich während des Volkswirtschaftsstudiums an der UZH kennengelernt.

Winkler und Parra Moyano gehören zu jenen Jungunternehmern, die mit Know-how aus ihrem Studium eine Firma gründen. Wenn das neue Unternehmen auf einer Erfindung aus der Forschung basiert, spricht man von einem Spin-off, ist der Ausgangspunkt eine Geschäftsidee wie bei Lionstep, handelt es sich um ein Start-up. Kern der innovativen Personalvermittlungsfirma, die heute in der Schweiz, Spanien und Deutschland tätig ist, ist neben der persönlichen Kundenberatung und einem neuartigen Preiskonzept ein Algorithmus, der aus einem riesigen Meer von Personaldaten die besten Kandidaten für eine Stelle herausfischt. «Heute gibt es für bestimmte Jobs nicht zu viele, sondern zu wenige geeignete Bewerberinnen und Bewerber», sagt Winkler.

Besonders in der digitalen Wirtschaft, auf die Lionstep spezialisiert ist, fehlen hierzulande immer wieder die richtigen Leute – seien es Software-Entwickler oder Spezialistinnen für digitale Kommunikation. Mit dem Lionstep-Algorithmus lassen sie sich international finden. Entwickelt hat das intelligente Computerprogramm der Datenspezialist Radu Tanase. Die Lionstep-Gründer haben ihn an einer Statistikvorlesung an der UZH kennengelernt, Tanase leitete den Übungsteil. Das Zusammentreffen war ein Glücksfall. Denn wer das Abenteuer der Firmengründung bestehen will, muss die richtigen Leute mit an Bord holen. «Für ein erfolgreiches Start-up braucht es ein hervorragendes Team und eine gute Mischung von Fähigkeiten», sagt Winkler.

Lionstep scheint die Kombination von unterschiedlichen Talenten gelungen zu sein. Nach einer längeren Durststrecke – «da mussten wir den Gürtel auch privat enger schnallen» – hat sich das Unternehmen mittlerweile etabliert. Heute arbeiten 20 Leute, darunter viele UZH-Abgängerinnen und -abgänger, bei Lionstep. Im letzten Jahr gewann die Firma den von der EU unterstützten Start-up Europe Award in der Kategorie «Social Innovation».