Pascale Geissberger

Die Debütantin

Mit ihrem Enthusiasmus und dem Willen, Neues zu wagen, dürfte Ökonomiestudentin Pascale Geissberger so etwas wie der Prototyp einer innovativen Jungunternehmerin sein. 

Von Roger Nickl und Thomas Gull

Um das unternehmerische Denken zu fördern, hat die UZH das Innovators Camp lanciert, das in diesem Sommer das erste Mal stattfand. Während einer Woche können sich die Studierenden intensiv mit unternehmerischen Themen auseinandersetzen und an einem Projekt mitarbeiten, das am Schluss einer Expertenjury vorgestellt wird.

Die Ökonomiestudentin Pascale Geissberger war am ersten UZH Innovators Camp mit dabei. Sie würde in Zukunft gerne in einem Start-up arbeiten oder am liebsten selber eine Firma gründen. Die quirlige 22-Jährige tanzt gleichzeitig auf ganz vielen Partys – sie engagiert sich bei der Studierendenorganisation AIESEC, ist im Business Club UZH und arbeitet Teilzeit. Im Innovators Camp war Geissberger beim «Project Circleg» der beiden ZHdK-Studierenden Fabian Engel und Simon Oschwald dabei. Circleg will aus Plastikabfällen Beinprothesen herstellen. Das Projekt ist schon mehrfach ausgezeichnet worden.

Am UZH Innovators Camp gewann die Gruppe den Preis für die beste Präsentation der Geschäftsidee. Für Geissberger war das eine tolle Erfahrung. Was sie gelernt hat: «Entscheidend ist, überzeugende Argumente für Investoren zu haben. Dazu braucht es eine klare Strategie und man muss wissen, welches die potenziellen Kunden sind.» Bei Circleg etwa stellte sich heraus, dass die Funktionalität und der Preis für die Kunden die wichtigeren Argumente sind als die Nachhaltigkeit.

Pascale Geissberger ist auf den Geschmack gekommen. Ihr Praktikum möchte sie am liebsten in einem Start-up-Unternehmen machen. Sie hat auch schon Kontakte geknüpft, etwa zum Laufschuhhersteller On, auch ein Start-up mit UZH-Beteiligung. «Das Unternehmen ist zwar schon etabliert und erfolgreich, hat aber noch Start-up-Kultur», schwärmt sie.

Mit ihrem Enthusiasmus und dem Willen, Neues zu wagen, dürfte Pascale Geissberger so etwas wie der Prototyp einer innovativen Jungunternehmerin sein. Wirtschaftspsychologe und Innovationsexperte Tobias Heilmann nennt ein Bündel an Eigenschaften, die hilfreich sind, wenn man etwas Neues anpacken will: extravertiert sein und auf andere zugehen können, offen sein und gerne proaktiv handeln, und es schadet nicht, wenn man kreativ ist.

Um eine Geschäftsidee zum Erfolg zu führen, braucht es aber auch ein gutes Team, Ausdauer und Mut – man darf keine Angst vor dem Scheitern haben – und man muss mit Ungewissheit umgehen können, und das oft über Jahre, wenn sich die Firma im Aufbau befindet. Dabei hilft der unbedingte Glaube an seine Fähigkeiten und die Idee – «man muss für sie brennen», sagt Heilmann, der mit Campaignfit selbst ein Start-up-Unternehmen gegründet hat, das er heute leitet. Campaignfit berät Firmen und hilft ihnen, innovativer zu werden.

Brennen viele Forschende, Studierende und Alumni für ihre Ideen, werden auch in Zukunft zahlreiche neue Produkte und Geschäftsmodelle den Weg von der UZH auf den Markt finden. Allerdings müssen sich Jungunternehmerinnen und -unternehmer heute gegen weit mehr Konkurrenten als noch vor 20 Jahren durchsetzen. Um erfolgreich zu sein, braucht es deshalb nicht nur ein gutes Produkt, sondern auch eine gute Geschichte. «Wer eine Bombenerfindung hat, diese aber langweilig präsentiert, hat keine Chance», sagt Michael Schaepman. Lionstep-CEO Claudia Winkler weiss, was es für eine erfolgreiche Unternehmensgründung braucht. Ihr Wissen gibt sie mittlerweile weiter, indem sie Jungunternehmerinnen und -unternehmer an Workshops und Wettbewerben coacht. Damit die Innovationskultur weiter schöne Blüten treibt.