Andreas Plückthun

Der Erfolgreiche

Andreas Plückthun ist ein Spin-off-Pionier. Seine erste Firma gründete der Biochemiker Anfang der 1990er-Jahre und betrat damit Neuland.   

Von Roger Nickl und Thomas Gull

Andreas Plückthun hat das Abenteuer der Firmengründung schon mehrmals erfolgreich bestanden. Bereits drei Firmen hat der UZH-Biochemieprofessor aufgebaut, die auf seiner Forschung an Proteinen basieren. Als er sich Anfang der 1990erJahre daranmachte, sein erstes Unternehmen aufzugleisen – Plückthun arbeitete damals noch am Max-Planck-Institut für Biochemie im deutschen Martinsried –, betraten er und seine beiden Kollegen Simon Moroney und Christian Schneider Neuland. «Gründungen von Biotechfirmen waren in Deutschland noch völlig unbekannt», erinnert er sich.

Das Max-Planck-Institut hatte ein Büro für Technologietransfer, «aber die waren völlig überfordert, weil sie so etwas noch nie gemacht hatten», erzählt Plückthun. Deshalb sei alles «wahnsinnig handgestrickt gewesen». Plückthun hatte allerdings ein grosses Vorbild: Chemie-Nobelpreisträger Walter Gilbert, den er als Postdoc in Harvard kennengelernt hatte. Dieser hatte eine Spin-off-Firma gegründet und trotzdem weiterhin exzellente Grundlagenforschung betrieben. Er war deshalb für den jungen Biochemiker so etwas wie ein Leitstern, wenn es um die Frage ging, ob ein ambitionierter Wissenschaftler gleichzeitig eine Firma gründen und hochstehende Grundlagenforschung betreiben kann.

Entscheidend für die erfolgreiche Gründung der Firma Morphosys waren damals jedoch letztlich zwei Dinge: der unbedingte Glaube der Gründer, dass es möglich ist, und Kapital aus England. «Der Investor hat ein wahnsinniges Risiko auf sich genommen, indem er auf drei völlig unbekannte Typen gesetzt hat, in einem Land, wo es keine Biotechszene gab.» Andreas Plückthun lacht und sagt: «Er ist damit nicht schlecht gefahren.» Morphosys entwickelt heute biopharmazeutische Medikamente für eine breite Palette von Krankheiten; ein Medikament gegen schwere Schuppenflechte erhielt letztes Jahr die Marktzulassung. Das Unternehmen beschäftigt rund 450 Mitarbeitende und ist etwa 3 Milliarden Franken wert.

Plückthuns zweiter Streich war die Molecular Partners AG, die er an der UZH gründete, sein dritter G7 Therapeutics. Bei den ersten beiden Firmen erlebte er den Börsengang live mit, G7 Therapeutics wurde fusioniert, heisst heute Heptares Zürich und ist Teil der japanischen Firma Sosei. Daneben hat der Biochemiker mehrere Lizenzverträge abgeschlossen. «Verschiedene Technologien, die ich in der Grundlagenforschung entwickelt habe, sind zu Medikamenten geworden, die bereits zugelassen sind oder kurz davor stehen», bilanziert der Forscher mit Genugtuung, «davon hätte ich als Student der Chemie nie zu träumen gewagt.» Trotz seines Erfolgs als Unternehmer war für ihn aber immer klar, wofür sein Herz wirklich schlägt: die Wissenschaft. Dieser ist er in all den Jahren treu geblieben, und das wird auch so bleiben.