Die Starthelfer

Die Technologietransferstelle Unitectra hilft Forschenden aus Erfindungen erfolgreiche Produkte zu machen. Zum kommerziellen Erfolg chauffieren können sie die Wissenschaftler allerdings nicht.  

Von Roger Nickl und Thomas Gull

Wie das Beispiel von Andreas Plückthun zeigt, war der Weg zur eigenen Firma noch Anfang der 1990er-Jahre äusserst steinig – es fehlte an Wissen, Infrastruktur und Geld. Mittlerweile werden Jungunternehmerinnen und -unternehmer tatkräftig unterstützt. Ein wichtiger Player ist Unitectra, die Technologietransferstelle der UZH. Als sie 1999 von Herbert Reutimann und Adrian Sigrist ins Leben gerufen wurde, war Unitectra selbst ein Start-up, dessen Gründer erhebliche Risiken in Kauf nahmen. Beide gaben ihre Jobs bei Pharmafirmen auf. «Spinnst du?», wunderte sich Reutimanns Frau, als er damals bei Roche kündigte. Heute kann er darüber lachen: «Wir haben es nie bereut, ich nicht und meine Frau auch nicht!»

Die Entwicklung von Unitectra in den vergangenen 20 Jahren spiegelt das rasante Wachstum des Technologietransfers: Im Jahr 2000 schloss die Transferstelle für Forschende der UZH und der Universität Bern in Zürich 30 Forschungsverträge ab, 2017 waren es 500. Mittlerweile gehört auch die Universität Basel zum Portfolio. 1999 waren Reutimann und Sigrist zu zweit, heute arbeiten 15 Personen bei Unitectra. Ihre Aufgabe sei es – neben den Forschungsverträgen – vielversprechende Erfindungen von Forschenden «zum Fliegen zu bringen», wie es Reutimann ausdrückt. Konkret bedeutet das: Forschende werden unterstützt, wenn sie eine Erfindung patentieren lassen möchten, wenn sie eine Firma für eine Lizenz suchen oder ein Spin-off-Unternehmen gründen wollen.

Unitectra erleichtert den Forschenden das Leben, und sie sorgt dafür, dass die UZH ihren Anteil am Kuchen erhält, wenn aus Erfindungen, die unter ihrem Dach gemacht wurden, erfolgreiche Produkte werden. Von den Lizenzeinnahmen geht jeweils ein Drittel an die UZH, ein Drittel an die Forschungsgruppe und ein Drittel an die Erfinder persönlich. Das spült im Moment jedes Jahr zwischen zwei und sechs Millionen Franken in die Kasse der UZH. Es könnte wesentlich mehr sein, wenn dereinst eines der rund 20 Medikamente, die sich im Moment in der klinischen Entwicklung befinden, auf den Markt kommt. Denn in der Regel sorgen Medikamente für die grössten Lizenzeinnahmen, wie das Beispiel des vom Molekularbiologen Charles Weissmann entwickelten Krebsmedikaments Interferon zeigt. «Das sind natürlich Glückstreffer», betont Reutimann.

Wer glaubt, findige Wissenschaftler würden von Unitectra in der Limousine zum kommerziellen Erfolg chauffiert, täuscht sich allerdings. «Sie müssen sich ganz persönlich einsetzen», sagt Adrian Sigrist, «denn in der Regel rennen uns die Firmen nicht die Türe ein, wenn wir eine Erfindung patentieren.» Es braucht deshalb die Forschenden, die idealerweise schon Kontakte zu Unternehmen haben und dort Leute kennen, die sich für das Projekt stark machen. «Interne Champions» nennt Sigrist diese Fürsprecher, die gegen alle Widerstände dafür sorgen, dass ein Unternehmen sich als Lizenznehmer engagiert. Noch mehr Biss braucht die Gründung einer eigenen Spin-off oder Start-up-Firma. Jenen , die so etwas im Sinn haben, rät Reutimann neben den Abklärungen zur Machbarkeit auch zur Introspektion: «Will ich das wirklich? Ist Unternehmer zu werden mein Lebensziel? Und: Habe ich den Willen und das Umfeld, dies trotz Entbehrungen durchzuziehen?»