Zündende Ideen für den Markt

Rund um die Universität Zürich entstehen viele innovative Produkte.
Wir stellen acht davon vor.

Text: Roger Nickl und Thomas Gull
Illustrationen: Markus Roost und Roland Hausheer

1. Spielerisch therapieren

Schatzsuche ist das erste Computerspiel, das für die Psychotherapie von Kindern mit Angststörungen, Depressionen und Verhaltensauffälligkeiten geschaffen wurde. Entwickelt wurde es von der Psycho login Veronika Brezinka. Auf den Markt kam das innovative Computerspiel bereits 2008. Erfolgreich ist die «Schatzsuche» bis heute: Rund 3400 akkreditierte Nutzerinnen und Nutzer in 49 Ländern arbeiten mit dem kostenlosen, innovativen Therapie-Tool der UZH.
www.treasurehunt.uzh.ch

2. Auge aus Silikon

Das von Insightness patentierte Silikon-Auge imitiert die Retina, unterdrückt aber unnötige Informationen, indem es nur auf Veränderungen reagiert wie beispielsweise Bewegungen. Basierend auf dieser Technologie werden visuelle Hochgeschwindigkeits-Tracking-Systeme entwickelt, die die Umwelt erkennen. Damit können beispielsweise Roboter oder Drohnen ausgerüstet werden. Insightness wurde 2014 von Tobi Delbruck, Christian Brändli und Marc Osswald am Institut für Neuroinformatik von UZH und ETH Zürich gegründet.

www.insightness.com

3. Sicher Medikamente transportieren

Mit einem smarten Sensor des Start-ups Modum.io lässt sich der Transport von Medikamenten permanent überwachen. Die in Zusammenarbeit mit UZH-Informatikern entwickelten Sensoren sammeln Daten, die von einer Blockchain, einer dezentralen Datenbank, aufgezeichnet werden – dies verunmöglicht eine nachträgliche Manipulation der Messdaten und sorgt für zusätzliche Sicherheit.
www.modum.io

4. Die Guten ins Töpfchen

Ein Roboter kann Körner, Kerne und Bohnen in Windeseile nach Eiweiss- oder Glutengehalt, Grösse, Farbe oder Pilzbefall analysieren und sortieren. Entwickelt wurde das Gerät von der Start-up-Firma Qualysense. Die neuartige Technologie wird künftig die Arbeit von Nahrungsmittelproduzenten, Kaffeeherstellern und Getreideverarbeiter verbessern, hofft Francesco Dell’Endice. Dell’Endice hat an der UZH promoviert und gehört neben UZH-Alumna Olga Peter zu den Mitgründern von Qualysense.
www.qualysense.com

5. Günstigere Kredite

Die Online-Plattform lend.ch bringt Anleger direkt mit Kreditnehmern zusammen. Die Bank als Vermittlerin wird ausgeschaltet. Für die Bewirtschaftung der Kredite erhebt die Plattform eine Gebühr, die unabhängig vom absoluten Zinsniveau ist. Der Kostenvorteil wird in Form von besseren Zinsen an die Anleger und Kreditnehmer weitergegeben. Gegründet wurde die Firma Switzerlend AG, die die beiden Plattformen lend.ch – für KMU und Privatkredite – und splendit.ch – für Ausbildungsdarlehen – betreibt, 2015 von den beiden UZH-Alumni Florian Kübler und Michel Lalive. Sie hat bereits mehr als 50 Millionen an Kreditvolumen abgewickelt und zählt mehr als 18000 User.
www.lend.ch

6. Eine Million Gehirne

Starmind verbindet künstliche Intelligenz mit Neurowissenschaften, um die Barrieren zu überwinden, die die menschliche Zusammenarbeit innerhalb einer Organisation einschränken. Die Starmind-Software für Augmented Intelligence befähigt Menschen, mit einer Million Gehirnen gleichzeitig zu denken. Über Starmind können Menschen Wissen und Erfahrungen einbringen und diese in Echtzeit nutzen, sei dies in einem Konzern, in Netzwerken oder in anderen Gemeinschaften. Gegründet wurde Starmind 2010 von Pascal Kaufmann und Marc Vontobel, die sich am Artificial Intelligence Lab der UZH kennengelernt haben.
www.starmind.ai

7. Besser Krebs therapieren

Das Spin-off Anaveon hat einen neuartigen Antikörper für Immuntherapie entwickelt, der effizienter und mit weniger Nebenwirkungen Krebszellen angreift. Immuntherapien gehören zu den vielversprechendsten Behandlungen gegen Lungen-, Nieren- und schwarzen Hautkrebs. Sie stärken das körpereigene Immunsystem, um Krebszellen zu eliminieren. Der mit der Unterstützung des UZH Life Science Fund entwickelte Antikörper wird nun in klinischen Studien zur Behandlung verschiedener Krebsarten geprüft.

8. Kreuzbänder flicken

Ein neues Implantat aus fortschrittlichen Biomaterialien verkürzt die Operationsund Rehabilitationszeit bei Kreuzbandrissen wesentlich und mindert den Schmerz. In der Schweiz ziehen sich jedes Jahr mehr als 6000 Menschen einen Kreuzbandriss zu, darunter viele Sportlerinnen und Sportler. Oft leiden die Patienten auch nach der Operation unter Schmerzen und einem langwierigen Heilungsprozess. Das Bioimplantat von Zurimed, einem Spin-off der Universitätsklinik Balgrist, könnte das ändern.
www.zurimed.com